Vorwort.

Es ist eine bekannte Erscheinung, dass sogenannte „Memoiren” in den meisten Fällen von Männern geschrieben werden. Das erklärt sich wohl aus der Tatsache, dass eine Frau nie angeben wird schon so alt zu sein, dass sie bereits nennenswertes erlebt haben könnte.

Wenn ich mich nun daran machte das vorliegende „Werk“ zu schreiben, so will ich damit nicht sagen, dass ich nun schon nennenswertes erlebt hätte, oder dass ich mich gar auf eine Stufe mit jenen grossen Männern stellen will, die wirklich dazu berufen waren Memoiren zu schreiben.

Auch bin ich mir darüber im Klaren, dass ein kritischer Leser wahrscheinlich sehr viel an den Stil und der Art meiner Ausführungen auszusetzen haben wird. Denn – um die Wahrheit zu sagen – in Wirklichkeit kann ich garnicht schreiben. Wenigstens nicht im schriftstellerischen Sinne. So bitte ich also um Nachsicht, zumal es sich hier ja auch garnicht um Memoiren im eigentlichen Sinne handelt, sondern ganz einfach um eine Vereinsgeschichte.

Die Geschichte der Schachgesellschaft „Union“ Rendsburg

Da mag nun wieder mancher einwenden, dass die „Union“ ja noch viel zu jung sei, um schon eine Geschichte haben zu können. Jedoch hier irrt dann einmal ausnahmsweise nicht der „Dichter“ sondern hier irrt der Leser. Gerade die Entstehung der „Union” war – besonders in ihrer Vorgeschichte – so turbulent und ereignisreich, dass man sehr wohl schon heute von einer „Geschichte” der „Union” sprechen kann. Denn wenn auch der Verein noch verhältnismässig jung ist, so hat er doch schon so viel erlebt, wie mancher Verein nicht in 50 Jahren erleben wird.

Wenn man es recht betrachtet, so ist die Geschichte der Schachgesellschaft „Union” Rendsburg zugleich auch ein Stück Geschichte dreier Schachvereine, nämlich: „Der Rendsburger Schach Club von 1895”, der „Schachklub Osterrönfeld” und eben der Schachgesellschaft „Union” Rendsburg. Trotzdem hätte ich wahrscheinlich die Aufzeichnung dieser folgenden „Chronik” noch etwas aufgeschoben, wenn mich mein Scheiden von der „Union” nicht veranlasst hätte, es nun zu diesem Zeitpunkt zu tun. Es soll gewissermassen auch mein Rechenschaftsbericht sein. Ausserdem glaubte ich es meinen alten Kameraden und Kampfgefährten – besonders den ehemaligen „Rebellen” vom Rendsburger Schach Club von 1895 – schuldig zu sein.

Wenn in den vorliegenden Aufzeichnungen manchmal auch „schmutzige Wäsche” gewaschen wird, so geschieht dies nicht um alte Geschichten wieder aufzurühren, oder gar um Hass zu säen, sondern nur um die Ereignisse die schliesslich zur Gründung der „Union” führten, der Wahrheit gemäss zu schildern und in ihrem ursächlichen Zusammenhang verständlich zu machen.

Bei allen Schilderungen habe ich mich – soweit sie nicht eigene Erlebnisse darstellen – an den jeweiligen Schriftwechsel wie Briefe, Protokolle u. ä. gehalten. Dies gilt besonders für die Vorgänge im  Rendsburger Schach Club von 1895. Diese Schriftstücke wurden mir dankenswerterweise von Herrn Fr. Leifke zur Verfügung gestellt. Alle anderen Ereignisse, besonders die Geschichte des „Schachklub Osterrönfeld” vom Jahre 1951 an, sowie die Gründung und Entwicklung der Schachgesellschaft „Union” Rendsburg, kann ich aus eigenen Erleben schildern, da ich alles „an vorderster Front” miterlebt habe.

Die von mir im vorliegenden Bericht eigeflochtenen eigenen Gedanken und Kommentare sollen natürlich nicht „der Weisheit letzter Schluss” sein. Auch will ich nicht behaupten, dass sie ein Rezept mit Ewigkeitsgültigkeit für den Verein darstellen; denn jede Zeit hat ihre eigenen Probleme und demzufolge müssen dieselben auch anders gelöst werden. Doch für unsere Zeit waren diese Gedanken im wesentlichen richtungsgebend und bestimmend. Der schliessliche Erfolg hat ihre Richtigkeit bestätigt.

Ich möchte es nicht versäumen, nun noch allen meinen Kameraden, die mit mir für das Werden und Wachsen der „Union” gekämpft haben, für ihre stete Treue und Opferbereitschaft zu danken. Es sind dies vor allen die schon erwähnten „Rebellen” sowie die alten Osterrönfelder Kameraden. Ohne ihrer aller Hilfe und ihre verständnisvolle Mitarbeit wäre es nie möglich gewesen die „Union” in so kurzer Zeit nach vorn zu bringen. Aber auch allen anderen, im Laufe der Zeit neu hinzugekommenen Kameraden gilt mein Dank. Durch ihr mustergültiges Verhalten und ihre harmonische Einfügung in unsere Gemeinschaft ist unser Verein eine einzige grosse Familie geworden.

Mein ganz besonderer Dank sei aber jenem Manne abgestattet der von Anfang an mit mir Freud und Leid geteilt hat. Der mit mir geplant, sich gesorgt und gekämpft hat und der mir in langer gemeinsamer Kampfeszeit zum Freunde wurde: Friedrich Leifke! Möge er der „Union” noch recht lange erhalten bleiben.

Mein Geschick trennt mich nun von der „Union”. Ihr galt mein ganzes Denken und Trachten. Sie die „Union” ist ein Stück von mir. Für sie habe ich gelitten und gekämpft. Stets, auch in der Ferne wir ihr  - gleich einer Geliebten – mein ganzes Herz gehören. Ich gab ihr viel, gab ich genug?

( Adolf Mett, Rendsburg im Dezember 1955)